„Wir glauben nicht an Gott, weil wir ihn brauchen, sondern weil er uns liebt“, Kardinal Gerhard Ludwig Müller

„… unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.“

Im Benediktus das Bestandteil des allmorgendlichen Gebetes der Kirche der Laudes ist, heißt es „… unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.“. Dieses Gebet war wohl seit langen nicht mehr so nötig, wie seit dem 24. Februar dieses Jahres.

Dass das Sterben immer noch anhält, Städte und Dörfer weiterhin zerstört werden und Mütter, Frauen und Kinder um ihre Söhne, Männer und Väter bangen, zeigt, dass es der Weltgemeinschaft noch nicht gelungen ist, diesen Weg des Friedens aus diesem sinnlosen Konflikt zu finden.

Die Politik einer Partei, die sich christlich nennt, sollte sich auch an der Bergpredigt orientieren: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ (Mt 5, 9)

Natürlich hat nach christlicher Lehre eine „Regierung das Recht auf sittlich erlaubte Verteidigung“ (Gaudium et Spes 79). Deshalb ist es wichtig und richtig, der Ukraine umfassend zu helfen, den Aggressor abzuwehren.

Auf der anderen Seite wissen Christen aber auch: „Der wahre Friede aber - daran sei erinnert - ist niemals das Ergebnis eines errungenen militärischen Sieges, sondern besteht in der Überwindung der Kriegsursachen und in der echten Aussöhnung unter den Völkern.“ (Johannes Paul II). Deshalb ist es ebenso richtig daran zu erinnern, dass es auch Anstrengungen für Verhandlungen bedarf, um das Sterben in diesem Krieg so schnell wie möglich zu beenden. Ob eine Rhetorik, die allein auf militärischen Sieg setzt, koste es, was es wolle, hierbei friedensstiftend ist, darf bezweifelt werden.

Ist die Bitte, auf den Weg des Friedens geführt zu werden, nicht auch so verstehen, dass nach diesem Weg gesucht werden muss? Kann man eine echte Aussöhnung anstreben, wenn von vornherein ausgeschlossen werden soll, dass nach einem Friedensschluss wieder normale politische und wirtschaftliche Beziehungen mit allen Kriegsparteien gepflegt werden?

Deshalb muss es Sorge bereiten, dass es in unserem Land und offenbar auch in unserer Partei schwer geworden ist, unterschiedliche Standpunkte zu haben und zu diskutieren, um so zu den besten Lösungen zu kommen. Das wird aber angesichts der vor uns stehenden Herausforderungen immer wichtiger! Die Einteilung von Ideen und Meinungen in Schwarz und Weiß oder in Gut und Böse in manichäischer Art muss bei allen Themen überwunden werden.

Hat Alexander Solschenizyn Unrecht, wenn er im Archipel Gulag schreibt: "Allmählich wurde mir offenbar, dass die Linie, die Gut und Böse trennt, nicht zwischen Staaten, nicht zwischen Klassen und nicht zwischen Parteien verläuft, sondern quer durch jedes Menschenherz."?