Wir Christen müssen um dieses Europa kämpfen, denn wir werden kein zweites bekommen." Rocco Buttiglione

Dresden 13. Februar eine Tragödie auch heute

Meine Großtante Frieda war Zeitzeuge der Bombardierung Dresdens. Leider habe ich keine andere persönliche Erinnerung an sie, als einen Besuch mit ihrer Schwester an ihrem Grab auf dem Dresdner Heidefriedhof. Tante Klärchen erklärte mir kleinen Jungen damals, dass sich Frieda über die Blumen freuen wird, die wir gemeinsam abgelegt haben. Später fiel mir ein schwer leserlicher x-ter Durchschlag eines Briefes in die Hände, den Frieda im Februar 1945 an ihren Sohn geschrieben hatte.  

In diesem langen Brief schrieb sie: „Es kam für Dresden ein Aschermittwoch herauf, wie er nie nie mehr in der Weltordnung sein kann. Unser schönes Dresden ist eine tote Stadt. … Und dann die vielen toten Menschen, ab und zu krabbelte nach diesen zwei Tagen noch einer blutüberströmt hoch und guckte mit irren Augen um sich. … Über die Trümmer nach dem Ring zu nach dem freien Platz vor dem Rathause Berge von verkohlten Menschen, die alle wahrscheinlich auf dem freien Platze sich hatten retten wollen und sich die Kleider heruntergerissen hatten, darum waren sie alle nackt und nur zum Teil angebrannt.“

Wenn ich diesen Brief, der zur meiner eigenen Familiengeschichte gehört, lese, bin ich immer wieder erschüttert. Ich weiß, dass das leider nicht nur das Schicksal von Dresden war und ist. Aber ich denke, dass die Opfer dieses Bombenangriffs auf Dresden betrauert werden dürfen. Diese Trauer war über Jahrzehnte Grundkonsens in Dresden.

In den letzten Jahren gibt es leider statt Trauer politischen Zwist. Die Linken mit ihren menschenverachtenden „No tears for krauts“ und „Bomber Harris do it again“ betonen, dass der Angriff auf Dresden Folge der deutschen Politik war. Die Rechten wollen die Alliierten auf der Anklagebank sehen. Das haben die Opfer von Dresden nicht verdient.

Alexander Solschenizyn schreibt in Archipel Gulag „dass die Linie, die Gut und Böse trennt, nicht zwischen Staaten, nicht zwischen Klassen und nicht zwischen Parteien verläuft, sondern quer durch jedes Menschenherz." Das zeigt auch Dresden. Auch die Alliierten, die gegen das unmenschliche Regime der Nationalsozialisten kämpften, hatten diese Trennlinie in ihrem Herzen, wenn sie Entscheidungen getroffen haben.

Als Katholik will ich diese Beurteilung gern Gott überlassen. Aber ich störe mich an überheblichen Äußerungen wie „Dresden war keine unschuldige Stadt“, die die Opfer als „selbst schuld“ demütigen. Keiner der heute betont „Dresden war keine unschuldige Stadt“, musste sich im Nationalsozialismus bewähren. Aus der zeitlichen Ferne sind Ratschläge leicht. Demut und Trauer wären besser.

Karl Rahner schrieb von einer „radikalen Schuldbedrohtheit“ des Menschen. Wer ist davor gefeit?

Tante Frieda schrieb auch: „Auf dem Postplatz ist nur noch ein kleines Fleckchen unversehrt geblieben, wo die Käseglocke steht, deren Fenster nur zertrümmert sind.“

Vielleicht sollte man die „Käseglocke“ die heut noch steht, als Denkmal ansehen für das, was von einer Stadt übrigbleibt, wenn Menschen die Welt nicht mit Gottes gütigen Augen ansehen.