"Wenn Diener und Glieder der Kirchen mit den Wölfen heulen und der Einrichtung, die sich nach dem eigenen teuren Namen des Erlösers nennt, empfehlen, teilzuhaben an den Vorurteilen und Leidenschaften der Nation, wird der Erlöser aufs Neue gekreuzigt." Nathan Söderblom (1866–1931; lutherischer Theologe, Erzbischof von Uppsala, Friedensnobelpreisträger)

Brauchtum allein rechtfertigt nicht das „C“ in der CDU

Angela Merkel hat auf dem Landesparteitag in Wittenburg vorgeschlagen, den Sorgen vor dem Islam mit der Pflege christlicher Traditionen zu begegnen. Als Beispiel nannte sie das Singen christlicher Weihnachtslieder statt säkularer Winterlieder am besten mit Blockflötenbegleitung. So könne man zeigen, dass die CDU die Partei mit dem „C“ im Namen ist.

Es ist sicher richtig, dass christliche Bräuche zur unserer Identität gehören. Es ist richtig, dass diese gepflegt werden müssen um nicht immer weiter zurückgedrängt werden. Nur sollte man in diesem Zusammenhang erwähnen, dass es Fälle in Deutschland gibt, wo christliche Bräuche aus „Rücksicht“ auf Nichtchristen vernachlässigt werden. Aus „politischer Korrektheit“ werden in manchen Kindergärten keine Weihnachtsfeiern und keine Martinsumzüge mehr gemacht. Aus Weihnachtsmärkten werden mancherorts Wintermärkte. Hinzu kommt die Diskussion um Kreuze in öffentlichen Gebäuden. Dazu ist von der CDU-Spitze leider selten etwas zu hören.

Es stellt sich aber auch die Frage, reicht christliches Brauchtum, um das „C“ zu begründen? Oder ist das nicht zu oberflächlich?

Wenn eine Partei das „C“ im Namen trägt, muss das auch an klarem und konkretem Bekenntnis zur Christlichen Werten und einer entsprechenden Politik sichtbar sein. Dazu gehören dann auch Dinge, die nicht dem Zeitgeist entsprechen, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Christliche Werte zu vertreten bedeutet ein klares Bekenntnis zum Schutz des menschlichen Lebens von der Zeugung bis zum natürlichen Tod. Die derzeitige Abtreibungsgesetzgebung ist der Aufgabe das ungeborene Leben zu schützen nicht gerecht geworden. Im Gegenteil, die Straffreiheit nach Beratung erweckt den Anschein, als wäre eine Abtreibung unter diesen Bedingungen kein schweres Unrecht. Nur wenige CDU-Politiker haben sich beim Marsch für das Leben gezeigt. Hier wäre ein guter Ort das „C“ deutlich zu machen. Es sind auch keine Initiativen bekannt, die Rechtslage zu ändern. Dabei wäre bereits mit der Förderung eines Beratungsziels, das ungeborene Leben zu schützen, ein wichtiger Schritt getan.

Eine klare Bejahung der Schöpfungsordnung ist eine weitere Möglichkeit die christliche Identität zu pflegen. Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen und nicht in zig unterschiedlichen jederzeit frei wählbaren Geschlechtern. Papst Franziskus hat deshalb die Gender-Ideologie als teuflisch bezeichnet und in seiner Enzyklika „AMORIS LÆTITIA“ eindeutig verurteilt. Papst Benedikt XVI. hat in diesem Zusammenhang im Deutschen Reichstag von einer „Ökologie des Menschen“ gesprochen: „Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur achtet, sie hört und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.“

Wenn wie in Hessen ein CDU Minister gegen Landeselternrat und die Stellungnahme der Bischöfe einen Lehrplan zur Sexualerziehung im Sinne der Gender Ideologie verordnet, ist alles andere als die Pflege der christlichen Identität. Bischof Algermissen (Fulda) ist darüber zu Recht schockiert.

Im Galterbrief (6, 10) steht: „Deshalb wollen wir, solange wir noch Zeit haben, allen Menschen Gutes tun, besonders aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind.“ Christliche Verantwortung heißt also auch, den Geschwistern im Glauben besonders helfen zu dürfen. Das gilt insbesondere für Flüchtlinge wenn diese auch in Deutschland wegen ihres Glaubens von anderen Flüchtlingen bedroht werde. Das hat auch die CSU gefordert, und es wäre gut, wenn die CDU sich dem anschließen könnte.

Frau Merkel hat Recht, christliche Traditionen müssen gepflegt werden. Das ist aber nicht genug. Auch christliche Grundsätze müssen offensiv vertreten und in die Politik eingebracht werden. Nur so wird die CDU konservative Wähler zurückgewinnen.