"Wir können zwar nicht sagen: 'Ich habe die Wahrheit', aber die Wahrheit hat uns, sie hat und berührt." Benedikt XVI.

Katholischer Arbeitskreis der CDU Sachsen: Sterbende brauchen Hilfe und Begleitung aber keine Aufforderung zum Suizid

Die Aussage „Die Diskussion über die Zulassung der aktiven Sterbehilfe führt nach unserer Meinung in die Irre und nimmt den Menschen nicht in seiner Würde war.“ ist die zentrale Botschaft des Diskussionspapiers des Katholischen Arbeitskreises in der CDU Sachsen zum Thema Sterbehilfe.

Dieses Papier nimmt die Sorgen und Ängste der Menschen ernst und verweist auf die christliche Botschaft, dass nur der die Verfügung über das Leben hat, der es uns letztlich geschenkt hat, der Schöpfer.

Das Papier betont die Bedeutung von Palliativmedizin und Hospizdienst und fordert: „Hier kann und muss die Politik helfen, Rahmenbedingungen sowie ein Klima schaffen, das Sterbenden ihre Menschenwürde garantiert und Hospize fördert.“

Diese Positionen wurden auf der  Mitgliederversammlung am 28.03.2015 im Dresdner Haus der Kathedrale einstimmig bestätigt. Claudia Heber, die Vorsitzende des Katholische Arbeitskreises in der CDU Thüringen, die als Gast an der Versammlung teilnahm, betonte, die klare Orientierung, die hier der Glaube gibt.

Das Diskussionspapier wird an die Abgeordneten und die die Kreisgeschäftsstellen der CDU in Sachsen verteilt und soll helfen, Orientierung auf christlicher Basis zu finden.

Download des Diskussionspapiers (als pdf)

 

Diskussionspapier des KA-Sachsen: Sterbende brauchen Hilfe und Begleitung aber keine Aufforderung zum Suizid

Unser wichtigster Wert ist: „Jeder Mensch wird von Gott geliebt“, (Bischof Dr. Heiner Koch). Diese Liebe gilt allen Menschen, von der Zeugung bis zum Tod.

Das Thema Tod und Sterben gehörte in der Vergangenheit wie selbstverständlich zum Leben dazu. Davon zeugen heute noch viele Grabmäler in alten Kirchen, z.B. auch die Gruft in der Kathedrale in Dresden.

Heute wird das Thema, das existentiell jeden Menschen betrifft, oft ausgeblendet und verdrängt. In einer Gesellschaft, die  Jugend, Gesundheit und Aktivität zum Ideal hat (trotz demographischen Wandel), ist kein Platz für den Tod und das Sterben.

Als Christen dürfen wir auf Jesus Christus schauen. Er hat am Kreuz gezeigt, das Sterben Frucht bringen kann. Sterben gehört zum Leben und kann angenommen werden. Selbstverständlich hat jeder Mensch Respekt und auch Angst vor diesem seinem letzten Lebensabschnitt. Werde ich wie Christus qualvoll dem Tod begegnen? Werden Menschen mich begleiten und für mich da sein?

Die Diskussion über die Zulassung der aktiven Sterbehilfe führt nach unserer Meinung in die Irre und nimmt den Menschen nicht in seiner Würde war. 

Es ist unsere christliche Überzeugung, dass nur der die Verfügung über das Leben hat, der es uns letztlich geschenkt hat, unser Schöpfer.

Es steht uns nicht zu, zu entscheiden wer leben darf und wer nicht.

Es steht uns erst recht nicht zu, eine Politik zu betreiben, die letztlich Ärzte und Pfleger, die dem Leben verpflichtet sind, unter politischen Druck setzt, Leben aktiv zu verkürzen.

Es steht uns nicht zu, Kranke unter Druck zu setzen, ihrer Familie nicht zur Last zu fallen und Kosten im Gesundheitssystem zu vermeiden, indem sie scheinbar zu ihrem eigenen Wohl vorzeitig  aus dem Leben scheiden.

Es ist richtig, manche  Menschen sehen im Suizid einen Ausweg, befürchteten Qualen zu entgehen. Andere wollen ihren Angehörigen nicht zur Last fallen oder einfach nicht die Kontrolle über ihr eigenes Leben verlieren. Der katholische Katechismus (2280ff) betont, dass das Leben ein Geschenk ist und Gott der Herr des Lebens ist und bleibt.

Ist es nicht Aufgabe der Politik, einer Partei die den Anspruch erhebt, christlich zu sein, hier Ängste zu nehmen und Wege aufzuzeigen und politisch zu fördern, wie auch in schwierigen Lebenssituationen ein Leben in Würde unterstützt werden kann?

Menschliche Nähe, die Linderung von Schmerzen und anderen Beschwerden ist in der letzten Phase des Lebens wichtig. Hier ist gute Palliativmedizin das richtige Mittel verbunden mit einer hospizlichen Betreuung (ob ambulant im Kreise der Familie oder auch stationär). Leider weiß nur ein kleiner Teil der Bevölkerung mit dieser Behandlungsart und der Betreuung etwas anzufangen. Deshalb braucht es dringend mehr Aufklärung, Information und Beratung. Hier kann und muss die Politik helfen, Rahmenbedingungen sowie ein Klima schaffen, das Sterbenden ihre Menschenwürde garantiert und Hospize fördert.

Die Zulassung von aktiver Sterbehilfe, würde dagegen dazu führen, dass ein gesellschaftlicher Druck entsteht, sein Leben zu verkürzen, das ist zutiefst unmenschlich und unmoralisch.

Das wird nicht geschehen? Man braucht nur auf das andere Ende des Lebens zu schauen. Wenn bei Untersuchungen in der Schwangerschaft ein vermeintlicher Defekt diagnostiziert wird, wird der kleine Mensch meist getötet. Eltern mit behinderten Kindern wird vorgehalten, dass so was heute doch nicht mehr nötig sei. 

Es darf nicht darum gehen, den unwürdigen Umgang mit hilflosen Embryonen auf hilflose Sterbende zu übertragen. Christus ist bei den Schwachen, das sollten Christliche Demokraten auch sein.

Auch Sterbende werden von Gott geliebt. Wir haben kein Recht diese Liebe vorzeitig zu beenden. Wir haben aber die Pflicht, unsere Nächsten auch als Sterbende zu lieben und zu begleiten.

 

Dresden, den 28.03.2015