"Nichts ist feiger und gewissenloser als der Wunsch von allen Menschen geliebt zu werden." Marie Ebner-Eschenbach

Gemeinsame Erklärung Papst Franziskus und Patriarch Kyrill – Christlichen Wurzeln treu bleiben!

Die Begegnung von Papst  Franziskus mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill war ein bedeutsames Ereignis der letzten Woche. Nach fast 1000 Jahren der Trennung wird wieder miteinander gesprochen.  Die gemeinsame Erklärung zeigt viele kirchenspezifische Bereiche auf, wo noch Distanz vorherrscht. Es besteht auf der anderen Seite eine große Einigkeit bei praktischen Fragen bei denen ein gemeinsames Handeln der beiden Kirchen notwendig ist. Hier kann die Erklärung insbesondere christlichen Politikern eine Orientierung geben, welche Herausforderungen in unserer Zeit in den Blick genommen werden müssen.  

Die Erklärung drückt zum Beispiel die Besorgnis über die  weltweiten Christenverfolgungen, die  Vertreibung der Christen aus dem Nahen Osten, die anhaltende Gewalt in Syrien und Irak und die daraus resultierenden Flüchtlingsströme sowie die mögliche Gefahr eines neuen Weltkrieges aus.

Es wird in der Erklärung auf die Gefahren der Ideologie eines aggressiven Säkularismus hingewiesen. Demgegenüber wird die christliche Prägung Europas herausgestellt: „Auch wenn wir für den Beitrag anderer Religionen zu unserer Kultur offen sind, sind wir davon überzeugt, dass Europa seinen christlichen Wurzeln treu bleiben muss. Wir bitten die Christen Ost- und Westeuropas sich im gemeinsamen Zeugnis für Christus und das Evangelium zu vereinen, so dass Europa seine Seele bewahrt, die sich in zweitausend Jahren christlicher Tradition gebildet hat.“ Zu dieser Tradition gehört, dass insbesondere die Armen und die Schwachen in den Blick genommen werden und Gerechtigkeit in den internationalen Beziehungen angemahnt wird.

Franziskus und Kyrill betonen die Rolle der Familie: „Die Familie gründet sich auf der Ehe, dem Akt der freien und treuen Liebe eines Mannes und einer Frau.  ...  Wir bedauern, dass andere Formen des Zusammenlebens mittlerweile auf die gleiche Stufe dieser Verbindung gestellt werden, während die durch die biblische Tradition geheiligte Auffassung der Vaterschaft und der Mutterschaft als besondere Berufung des Mannes und der Frau in der Ehe aus dem öffentlichen Bewusstsein ausgeschlossen wird.“.

Der Einsatz für das Recht auf Leben vom Anfang „Das Blut der ungeborenen Kinder schreit zu Gott (vgl. Gen 4,10)“ bis zum Ende eint die Kirchen.  Manipulationen des menschlichen Lebens durch moderne Technologien sind Grund zur Sorge „Wir halten es für unsere Pflicht, an die Unveränderlichkeit der christlichen moralischen Grundsätze zu erinnern, die auf der Achtung der Würde des Menschen beruhen, der nach dem Plan Gottes ins Leben gerufen ist.“.

Die Begegnung von Franziskus und Kyrill ist Grund zur Hoffnung, dass die Spaltung überwunden werden kann, wenn auch noch ein langer Weg zu gehen ist.  Die angesprochenen gesellschaftlichen Themen können die Christen beider Kirchen jedoch sofort als Aufgabe begreifen.

 

Hier geht es zu der Erklärung im Wortlaut